Produktpiraterie nimmt zu!

Produktpiraterie ist besonders in den schnell wachsenden neuen Märkten in Osteuropa und Asien ein ernstzunehmendes Thema. Der Schutz vor Produktpiraterie gewinnt zunehmend auch im Investitionsgüterbereich an Bedeutung: Beispiele reichen von gefälschten Ersatzteilen bis hin zu Nachbauten von komplexen Gesamtanlagen. Neben dem direkten finanziellen Schaden entsteht für die Hersteller auch eine erhebliche Gefahr für den Wert und die Integrität der Marke, wenn Kopien nicht Qualitätsmerkmale wie Zuverlässigkeit oder Sicherheitsfunktionen des Originals erfüllen.

Software stellt bereits heute einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Grundsätzlich nimmt der Software-Anteil an Innovationen im Maschinen- und Anlagenbau stetig zu. Im Automotive-Bereich geht man z.B. davon aus, dass heute 90% aller Innovationen von Elektronik und Software getrieben sind, und der auf Software basierende Wertschöpfungsanteil in den nächsten Jahren auf 40% steigen wird. Ein wirkungsvoller Schutz dieser Software ist folglich die Vorraussetzung für den Schutz der Produkt-Innovationen. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Digitalisierung der Produktion die Bedeutung des Schutzes von digitalen Produktionsdaten. Daher wächst der Schutzbedarf grundsätzlich in Richtung der Absicherung kompletter Entwurfs- und Fertigungsketten.

Beispiele von Produktpiraterie

Die Problemlage soll anhand eines Beispiels aus der Stickmaschinen-industrie verdeutlicht werden. Die dargestellten Bedrohungen durch Produktpiraterie und der vorgeschlagene Lösungsansatz lassen sich auf viele andere Fälle im Maschinenbau übertragen.

 

Abbildung 1: Angriffsszenario durch Produktpiraterie bei der Herstellung von Stickmaschinen und bei der Produktion von Textilien
Abbildung 1: Angriffsszenario durch Produktpiraterie bei der Herstellung von Stickmaschinen und bei der Produktion von Textilien

 

Abbildung 1 zeigt an einigen konkreten Beispielen, an welchen Stellen Produktpiraterie in der Produktionskette zur Gefahr für geistiges Eigentum werden kann. Im Szenario wird der Hersteller von Stickmaschinen betrachtet, der seine Maschinen an einen Produzenten von Textilien liefert, dessen Pro-duktionsstandort sich an einem beliebigen Punkt der Erde befinden kann. Sowohl seine Maschinen als auch die Programme zur Ausführung auf den Maschinensteuerungen sind daher je nach Lage eines Standortes mehr oder weniger den Gefahren der Produktpiraterie ausgesetzt. Im betrachteten Szenario ist geistiges Eigentum schützenswert etwa in Form von Programmcode für eine Maschinensteuerung (Firmware) oder auch als Steuerungsdatei zum automatischen Betrieb einer Textilmaschine für Stickereiprodukte. Wie in der Übersicht dargestellt, sind unterschiedliche Angriffspunkte möglich, angefangen beim Hersteller von CAD-Software zur Erstellung von Stickmustern bis hin zur Fertigungsstätte, in der die automatische Fertigung von Stickereiprodukten erfolgt. So ist zum Beispiel die Stickmaschinensteuerung ein möglicher Angriffspunkt für Designpiraterie, um in den Besitz eines Stickmusters zu gelangen, denn in der Steuerung befindet sich die typische Steuerdatei für Stickmaschinen, die auch als „Punchcode“ bezeichnet wird. Oftmals sind solche Muster in der Erstellung sehr komplex und können als Designs patentrechtlich geschützt sein. Das Atelier hat ein Interesse daran, dass die missbräuchliche Nutzung und die Verletzung von Rechten Dritter möglichst ausgeschlossen werden können. Die Herstellung von Textilien auf anderen Maschinen darf ohne eine Lizenz nicht möglich sein.

Aber auch der Hersteller der CAD-Software ist daran interessiert, dass nur autorisierte Ateliers die Software zur Erstellung von Stickmustern nutzen können, das heißt, dass diese Software z.B. auf einem PC nur mit entsprechender Lizenz genutzt werden kann (Angriffspunkt „Softwarepiraterie“).

Für Hersteller von Maschinen und Steuerungen bestehen ebenfalls Bedrohungen für schützenswertes geistiges Eigentum. Sowohl der Basis-Programmcode einer elektronischen Steuerung (Embedded Systems Software) als auch der spezifische Firmware-Code des Maschinenherstellers, der die Maschinensteuerung an die spezifische Stickmaschine adaptiert, sind „digital Assets“ die es zu schützen gilt. Ein ungehinderter Nachbau der Maschinensteuerung sowie der Nachbau der Stickmaschine selbst würden in jedem Fall finanziellen Schaden für den Hersteller bedeuten.

Um einen guten Schutz für geistiges Eigentum gewährleisten zu können, müssen schon ab dem Zeitpunkt der Herstellung von Maschinen Maßnahmen getroffen werden, die auch nach Aufstellung und Einsatz der Maschinen greifen können. Daher ist ein offenes und konsistentes System mit effizienten Schutzmechanismen erforderlich.



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